Frachtschiffreise mit der MS Henrike Schepers
Schiffstyp:
IMO:
Rufzeichen:
Manager:
Baujahr:
Bauwerft:

Flagge:
Heimathafen:
GT:
Tragfähigkeit:
Container:
Extras:
Länge:
Breite:
max. Tiefgang:
Maschine:


Geschwindigkeit:
Eis-Klasse:
Besatzung:
Feeder-Containerschiff, Typ Damen Container Feeder 800 (CFe800)
9404091
V2HS5
H&S Schifffahrts GmbH & Co. KG - Haren /Ems, Deutschland
2008
Rumpf: Santierul Naval Damen Galati S.A. Nr. 1116 - Galati, Rumänien
Damen Scheepswerf B.V. - Gorinchem, Niederlande
Antigua & Barbuda
Saint John's
7852t
9291t
803 TEU (davon max. 180 Kühlcontainer)
45’ Container Equipment
140,64m
21,80m
7,33m
MAK 9M43C mit 8400 KW / 11421 PS
2 Caterpillar-Dieselgeneratoren mit jeweils 530kVA
(432kW / 587PS)
19,5kn
1A/E3
13
Reiseroute
Rotterdam
12.03.2018
Rotterdam
14.03.2018
Tilbury
12.03.2018
Wie alles begann....

Am 10.02.2018 waren die „Shipspotter Blaustich Rotterdam“ - mal wieder - zum gemeinsamen „Shipspotting“ in Rotterdam. Als wir nach einem schönen Tag an der Maasvlakte abends für einige Nachtaufnahmen zurück in den Calandkanaal fuhren, kam das Thema einer Frachtschiffreise auf. Zwar wurde die Idee zu einer gemeinsamen Schiffsreise schon früher einmal kurz angesprochen, jedoch war es dieses Mal anders. Bereits auf dem Heimweg zurück nach Weeze wurde das Thema ausführlich besprochen und ernsthaft diskutiert. Es stand recht schnell fest, dass wir eine Frachtschiffreise machen wollten - bei unserem ersten Trip möglichst mit einer deutschen Schiffsführung. Und das alles musste aufgrund von Resturlaub sehr zügig gemacht werden. Also durchstöberten wir noch am gleichen Abend das Internet nach möglichen Routen und Schiffen und gelangten schnell auf die Seite von Frachtschiffreisen Pfeiffer, die viele verschiedene Reiserouten und -längen auf unterschiedlichen Schiffstypen und -größen anbieten. Dort sind auch viele Informationen zu finden, die für die jeweiligen Reisen relevant sind. Bereits 2 Tage später fragten wir bei Pfeiffer nach einer kurzen Frachtschiffreise auf einem Großcontainerschiff ab Rotterdam oder Antwerpen für 3 Personen an. Frau Pfeiffer teilte uns dann allerdings mit, dass eine solche Reise auf einem Großcontainerschiff erst ab mindestens 5 Reisetagen möglich ist (zudem passte die Reiseroute nicht ganz zu unseren Vorstellungen). Sie wies gleichzeitig aber auf eine 3-tägige Kurzreise mit einem Feeder-Containerschiff hin (IFR 102), die zum Einstieg in die Welt der Frachtschiffreisen „optimal“ sei. Nach kurzer Beratungszeit waren die Vor- und Nachteile dieser Reise einander gegenübergestellt und es war klar, dass wir diese Reise machen wollten. Nach diesem Entschluss kamen natürlich einige Fragen auf (z.B. wie spontan man eine solche Reise buchen kann und welche Unterlagen dafür benötigt werden), die aber von Frau Pfeiffer schnell und ausführlich beantwortet wurden. Ein Termin war auch recht schnell gefunden - es sollte die Tour vom 12.03.18 bis 14.03.18 sein. Leider konnte der dritte "Blaustecher", Thomas, unser Vorhaben nicht so kurzfristig und spontan umsetzen und sagte deshalb leider ab.
Bei Frachtschiffreisen gibt es (im Gegensatz zu Kreuzfahrten oder Fährüberfahrten) allerdings hin und wieder Abweichungen vom Fahrplan - sei es in Bezug auf die Abfahrtszeiten oder sogar in Bezug auf die Reiseroute. Es ist daher auf jedenfall sinnvoll, 1-2 Tage vor und nach dem offiziellen Reisetermin mit einzuplanen.
Am 16.02.18 buchten wir dann die Reise IFR 102 auf der Henrike Schepers von Rotterdam nach Tilbury / Hull und zurück nach Rotterdam vom 12.03.18 bis 15.03.18. Da das Schiff sowohl Rotterdam - Tilbury - Rotterdam, als auch Rotterdam - Hull - Rotterdam bedient, war der genaue englische Anlaufhafen zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Die letzten ausstehenden Informationen mit der geplanten Abfahrtszeit, dem genauen Liegeplatz des Schiffes in Rotterdam inklusive Übersichtskarte und der genauen Boarding-Zeit erhielten wir dann (wie zuvor angekündigt) am 09.03.18 von Frau Pfeiffer. Falls sich kurzfristig doch noch etwas ändern sollte würden wir von Kapitän von Puttkamer persönlich angerufen. Es blieb aber alles wie besprochen.
Nun wurde es also langsam ernst....

Am Nachmittag des 11.03.18 - ganz nebenbei angemerkt: Maltes Geburtstag - trafen wir uns in Weeze. Den Abend verbrachten wir mit letzten Planungen und Vorbereitungen. Wann fahren wir am nächsten Morgen los? Machen wir vorher im Hafen noch Bilder? Wann fahren wir zur Anmeldung zum Immigration-Office (Hafenpolizei)? Wann fahren wir zum RST-Terminal, an dem das Schiff liegen sollte? Voller Aufregung und mit Vorfreude ging es kurze Zeit später ins Bett....
Der 12.03.2018 war nun endlich da....

Um 05:00 klingelte der Wecker. Schnell ins Bad, frühstücken und die Taschen auf ihren Inhalt kontrollieren. Um 06:00 ging es dann endlich los in Richtung Rotterdam. Nach kurzer Verzögerung durch einen kleineren Stau zwischen Gorinchem und Dordrecht erreichten wir den Noordzeeweg bei Rozenburg gegen 08:00 bei heiterem Wetter. Nachdem wir die im PET 7 liegenden Tanker fotografiert hatten, ging es weiter in Richtung Spitze der Landzunge. Nächster Halt war der recht neu errichtete Aussichtsturm „Paal 83“, der einen schönen Überblick über den Calandkanaal bietet.
Anschließend ging es weiter zur Spitze der Landzunge, um die am EECV-Terminal liegenden Massengutfrachter zu fotografieren. Dazu kamen noch einige ein- und auslaufende Schiffe. Nach ca. 2h ging es mit einigen kurzen Stopps langsam zurück in Richtung Rozenburg.
Als wir dort noch einige Minuten Bilder gemacht hatten und uns gerade fragten, wie wir uns am besten bemerkbar machen sollten, kam Kapitän von Puttkamer gerade mit 2 weiteren Personen die Gangway hinunter. Nach einer herzlichen Begrüßung erfuhren wir, dass die 2 Personen von der Deutschen Seemannsmission in Rotterdam waren. Von Puttkamer erklärte uns, dass er für ca. 1h mit den beiden weg müsste und wir danach alle zusammen an Bord Mittagessen würden. Schnell rief er einen Matrosen, der uns mit dem Gepäck helfen sollte. Dann ging es für uns gegen 12:00 endlich an Bord. Nachdem wir die steile Gangway hinaufgekraxelt und an Bord angekommen waren, wurden wir direkt durch den 1. Offizier und den 2. Offizier begrüßt. Wir trugen uns ins Bordbuch ein und dann ging es zusammen mit dem 2. Offizier zu unseren Kabinen, um unser Gepäck dort abzustellen. Anschließend ging es direkt weiter zur Sicherheitseinweisung, bei der uns alle wichtigen Orte wie Rettungsboote, Sammelstellen, Rettungswesten und Überlebensanzüge gezeigt wurden.
Gegen 10:45 entschlossen wir uns dann, zum Immigration-Office zwecks Anmeldung zu fahren. Hierfür gab es 2 mögliche Anlaufstellen: die Zeehaven Politie im St. Jobsweg, die 24h täglich geöffnet ist, oder die Zeehaven Politie Rozenburg, die sich nahe der Schleuse zum Brittanniëhaven befindet und lediglich an Werktagen zwischen 08:00 - 16:00 besetzt ist. Da wir sowieso schon in der Nähe waren, fuhren wir zur zweiten Adresse, die wir gegen 11:00 erreichten. Nach ca. 10min waren wir registriert, unsere Daten aufgenommen und wir konnten (zumindest theoretisch) schon zum RST-Terminal (Havennummer 2750) fahren. Der Besuch beim Immigration-Office ist sowohl vor der Reise als auch nach der Rückankunft zurück in Rotterdam Pflicht - ansonsten droht ein Bußgeld von 100€ und mehr. Da wir sowieso auf heißen Kohlen saßen, entschlossen wir uns, direkt zum Schiff zu fahren. Nach ca. 15 minütiger Fahrt über die A15 erreichten wir gegen 11:30 das Gate des RST-Terminals im Waalhaven. Das Auto parkten wir wie vorher abgesprochen auf dem Parkplatz vor dem Terminaleingang und begaben uns anschließend zum Pförtner. Dieser wusste wegen unseres Besuchs beim Immigration-Office über unser Kommen Bescheid und erklärte uns den Weg zu „unserem Schiff“. Dann gingen wir kurz zurück zum Auto, um unser Gepäck zu holen. Nach der Öffnung eines Tores im Terminalzaun begaben wir uns anschließend schwer bepackt zu Fuß in Richtung Prinses Beatrixhaven, wo unser Schiff - die Henrike Schepers - an letzter Position lag. Während des kurzen Fußwegs quer über das Terminalgelände musste man immer ein Auge auf den regen Container-LKW-Verkehr haben. Nachdem wir das Samskip-Gebäude passiert hatten, sahen wir auch schon unser Schiff. Nach ein paar Aufnahmen vor dem Schiff gingen wir direkt weiter zur Gangway.
Nach dieser etwa 20 minütigen Einweisung wurden uns anschließend noch die inneren Räumlichkeiten auf den verschiedenen Decks gezeigt. Dann ging es erst einmal zurück in die Kabine, wo wir in aller Ruhe unser Gepäck auspacken und unsere ersten Eindrücke miteinander austauschen konnten. Die Eignerkabine bot großzügigen Platz und war neben der „normalen Kabine“ noch mit einem extra Wohnraum ausgestattet, wo man es sich bequem machen konnte. Die Passagierkabine hatte diesen Wohnraum nicht, war jedoch von Größe und Ausstattung vollkommen ausreichend. Beide Kabinen waren ausgestattet mit einem großen Bett, Schreibtisch, Kleiderschrank, TV, Telefon, Safe und kleinem Badezimmer mit Dusche/WC.
Um 13:00 klingelte das Telefon in der Kabine und Kapitän von Puttkamer bat uns zum gemeinsamen Mittagessen in der Offiziersmesse 4 Decks weiter unten zusammen mit ihm und Tobias & Sophie von der Deutschen Seemannsmission. Der philippinische Smutje Jaime servierte uns einen tollen ersten Eindruck seiner Kochkünste. Es gab eine mit Käse überbackene Kartoffel-Gemüse-Pfanne. Während des Essens unterhielten wir uns sehr anregend und nett über verschiedene Themen. So wies uns Kapitän von Puttkamer darauf hin, dass aufgrund der Einstellung des Satelliten zurzeit lediglich russische Fernsehsender empfangen wurden. Eine Umstellung auf „Astra“ sollte aber demnächst erfolgen. Uns war das völlig egal, da wir sowieso nicht vorhatten, auch nur 1 Minute während unserer Reise vor dem Fernseher zu verbringen. Es war schnell klar, dass wir mit Kapitän von Puttkamer einen wirklich tollen „Fang“ gemacht hatten. Wenn man ab und zu davon liest, dass Kapitäne oder Mannschaften ihren Passagieren möglichst weitestgehend aus dem Weg gehen, war dies bei Kapitän von Puttkamer in keinster Weise der Fall. Die Zeit verging wie im Fluge und wir saßen ca. 2h zusammen. Nach dem Essen organisierte Kapitän von Puttkamer uns allen noch ein Stracciatella-Eis. Anschließend verließen Tobias und Sophie das Schiff.
Kapitän von Puttkamer bot an, uns über das Schiff zu führen - was wir natürlich mit großer Freude bejahten. Während der Schiffsführung, die auch den Maschinenraum und den Vorratsraum beinhaltete, erzählte uns Herr von Puttkamer viel über Schiffstechnik und auch über sein Privatleben und sagte uns auch, dass wir uns frei auf dem Schiff bewegen könnten. Einzig bei einem Besuch im Maschinenraum sollten wir uns zuvor beim 1. Offizier anmelden, sodass dieser uns beim Chief-Engineer ankündigen konnte. Nach der Schiffsführung verabredeten wir 3 uns, um 16:00 gemeinsam zum Samskip-Büro zu gehen, um Einblicke in die Containerdisposition und die weiteren Abläufe der Beladung des Schiffes zu bekommen. Es war sehr interessant, auch diese Seite der Seefahrt einmal kennen zu lernen. Trotzdem war uns allen schnell klar, dass diese extrem zahlenlastige Tätigkeit nichts für uns wäre. Nach einer kurzen Kaffeepause bei Samskip ging es zurück an Bord.
Gegen 17:30 gab es dann Abendessen zusammen mit dem Kapitän - diesmal Beef mit Salzkartoffeln und Salat. Das Ablegen zu unserer ersten Frachtschiffreise rückte immer näher. Um 19:00 gingen wir dann erstmalig in den Maschinenraum, um dem Starten der Hauptmaschine beizuwohnen. Auch aufgrund der konzentrierten Fokussierung unseres Chef-Maschinisten auf seinen Job gingen wir jedoch recht schnell wieder zurück auf die Brücke - wir wollten ja auch das Ablegemanöver nicht verpassen. Kurze Zeit später war es dann soweit - gegen 19:15 hieß es „Leinen los“ und die Henrike Schepers verließ unter Mithilfe ihrer Bug- und Heckstrahlruder problemlos ihren Liegeplatz am RST-Terminal mit Ziel Tilbury, UK. Herr von Puttkamer erläuterte uns, dass er aufgrund seiner Lotsenbefreiung, die es ihm erlaubt, auch im Hafengebiet ohne Lotsen zu fahren, das Schiff bis mindestens zur Maasmündung steuern müsse. Langsam steuerten wir aus dem Prinses Beatrixhaven hinaus in Richtung Nieuwe Waterweg, in den wir um ca. 19:40 nach Backbord eindrehten. Etwa gegen 20:30 erreichten wir den Stena Line-Anleger in Hoek van Holland. Natürlich mussten auch hier - trotz Dunkelheit und Nieselregen - Bilder gemacht werden.
Um 20:45 war dann die Maasmündung erreicht. Gegen 21:30 und vielen weiteren interessanten Eindrücken und Gesprächen kam direkt ein weiteres Highlight unserer Reise hinzu. Kapitän von Puttkamer bot uns an, dass Schiff zu steuern. Der Autopilot wurde ausgestellt und Malte übernahm manuell das Ruder des gut 140m langen Containerschiffes. Beim Steuern des Ozeanriesen war man direkt überrascht, wie wendig das Schiff ist und wie schnell das Schiffsruder auf die Anweisungen reagiert. Trotzdem muss man wissen, dass man die Verzögerungen in der Reaktion des Schiffes bei der Steuerung berücksichtigen muss. So muss man lange vor dem Erreichen des gewünschten Kurses bereits wieder „gegensteuern“, um nicht zu überdrehen. Durch meine kleine „Vorerfahrung“ mit dem Steuern einer Motoryacht auf der Nordsee war mir dieses Verhalten allerdings bekannt und so lief das Steuern des Schiffes überraschend gut. Schnell hatte man seine Umgebung ausgeblendet und war voll und ganz Kapitän - so wie man es als kleiner Junge schon immer sein wollte. Nach etwa 30 Minuten übergab ich dann das Ruder unter den Augen von Herrn von Puttkamer an Stephan, der das Schiff in der Folgezeit steuerte. Um etwa 22:30 meldete sich Kapitän von Puttkamer von der Brücke ab und übergab an seinen 2. Offizier, der das Schiff von nun an steuerte - solange, bis Kapitän von Puttkamer das Schiff am nächsten Morgen aufgrund der angesprochenen Lotsenbefreiung für die Revierfahrt auf der Themse wieder übernehmen musste. Wir verabredeten uns mit Kapitän von Puttkamer für den nächsten Morgen und blieben anschließend noch bis ca. 23:15 auf der Brücke, bevor dann auch für uns so langsam die Koje rief. Der Wecker wurde auf 05:30 UTC+1 (also deutscher Zeit) gestellt. Nach diesem fantastischen und aufregenden 1. Tag dauerte es nicht lange, bis man in das Reich der Wellentäler glitt…
Der 13.03.2018 beginnt....
Am nächsten Morgen klingelte pünktlich der Wecker und wir waren um 05:45 auf der Brücke bei Herrn von Puttkamer. Ca. 1h später erreichten wir das London Gateway-Containerterminal, das mit 3 Großcontainerschiffen („UASC Al Khor“, „Mærsk Hong Kong“ & „NYK Falcon“) voll belegt war. Nach weiteren 30 Minuten erreichten wir das alte Tilbury-Kraftwerk, das zurzeit abgerissen wird. Am Anleger davor lag das Bohrschiff „Sertăo“ - ein für uns bis dahin unbekanntes Schiff. Gut 10 Minuten später erreichten wir die Fährstelle Tilbury - Gravesend, zu der wir später am Tag fahren wollten.
Um 07:45 verließen wir die Themse und drehten nach Steuerbord in die Schleuse von Tilbury ein. Der Höhenunterschied von Themse und Hafen betrug ca. 2m, sodass wir nach etwa 30 Minuten die Schleuse wieder verlassen konnten. Direkt nach dem Verlassen der Schleuse drehte Kapitän von Puttkamer die Henrike Schepers nach Steuerbord, bevor wir dann rückwärts langsam in Richtung unseres Liegeplatzes fuhren. Gegen 08:30 wurde angelegt und die Leinen festgezurrt. Wir blieben noch auf der Brücke und beobachteten das Hinunterfahren der Containerbrücken. Etwa 15 Minuten nach dem Anlegen wurde dann mit dem Entladen des Schiffes begonnen.
Auf dem Schiff angekommen machten wir einige Aufnahmen an Deck und auf der Brücke und gingen gegen 13:45 zum Mittagessen. Obwohl wir eigentlich „an Land“ Fish & Chips  essen wollten (ein solcher Laden war allerdings in Tilbury nicht auffindbar), hatten wir morgens unserem Smutje mitgeteilt, dass er uns trotzdem für’s Mittagessen einplanen sollte - eine weise Entscheidung wie sich dann ja herausstellte. Wir genossen das Mittagessen (Gemüsebrühe, Hähnchen-Cordon Bleu, Kroketten und Salat). Danach hieß es wieder Bilder machen - vom Entladen, von der Brücke und auch von uns selbst. Weil wir Tags zuvor in Rotterdam nur relativ kurz im Maschinenraum waren, beschlossen wir, nun noch einmal während der Hafenliegezeit nach unten zu gehen. Wir informierten den 2. Offizier über unser Vorhaben. Dieser übergab uns Kopfhörer und führte uns freundlicherweise noch einmal durch den Maschinenraum, sodass wir doch noch zu einigen Aufnahmen kamen.
Anschließend beobachteten wir das weitere Beladen unseres Schiffes bis um ca. 17:00 die "Plyca" ablegte - ein großes RoRo-Fährschiff, welches schon seit dem Morgen hinter uns gelegen hatte. Als die "Plyca" fast geräuschlos an uns vorbeizog wurde von beiden Seiten kräftig gewunken. Danach ging es nochmal kurz in unsere Kabine, wo wir es allerdings nicht lange „aushielten“. Nicht, weil die Kabinen uns nicht gefallen hätten, wir mussten einfach wieder hoch zum „glotzen“ :D
Gegen 10:50 waren wir wieder bei unserem Auto angekommen und wir fuhren zurück in Richtung Immigration-Office, um uns in Rotterdam zurück zu melden. 1h später waren wir am Deich an der Maasvlakte und verlebten noch einen schönen Spottingtag in Rotterdam - natürlich nicht ohne bei unserem Stamm-Imbiss „Smickel Inn“ am Slag Maasmond jeweils gleich 2 Frikandel Speciaal, 1 Pommes Speciaal, 1 Cola und 1 Kaffee zu genießen. Nachdem das Großcontainerschiff „Mathilde Mærsk“ um 18:50 ausgelaufen war, verließen wir den Deich an der Maasvlakte und fuhren zurück in den Calandkanaal, um dort erneut einige Nachtaufnahmen von den dort liegenden Schiffen zu machen. 1h später traten wir dann die Heimreise an - früher als gewohnt, da wir unbedingt noch die Bilder der Frachtschiffreise anschauen wollten.
Gegen 22:15 waren wir wieder in Weeze. Nun wurden direkt die Chipkarten der Kameras auf den PC überspielt. Da sich das Procedere bei über 3000 Aufnahmen dann doch in die Länge zog, beschlossen wir, das Durchgucken der Bilder auf den nächsten Morgen zu verlegen. Um 00:00 hieß es dann „Licht aus“ - diesmal allerdings nicht mehr auf „unserem Schiff“…

Direkt am nächsten Morgen wurden dann sämtliche Bilder der Reise begutachtet - natürlich mussten direkt auch schon einige Bilder bearbeitet werden, um sie unseren Freunden und Kollegen zeigen zu können.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Kapitän von Puttkamer für die herzliche Aufnahme an Bord bedanken und für die unbändige Zeit, die er sich für uns genommen hat. Weiterhin danken wir der gesamten Crew der Henrike Schepers für ihre Freundlichkeit und ständige Hilfsbereitschaft, der H&S Schifffahrt GmbH & Co. KG für die Möglichkeit, überhaupt eine solche Reise auf der Henrike Schepers machen zu können, und natürlich auch den Mitarbeitern von Frachtschiffreisen Pfeiffer für die nette und unkomplizierte Abwicklung unserer Buchung. Es war uns wirklich eine große Freude, die Kurzreise an Bord der Henrike Schepers gemacht zu haben. Dies war definitiv nicht unsere letzte Frachtschiffreise!
Wir verließen die Brücke und begaben uns zur Offiziersmesse, um zu frühstücken - 2 Spiegeleier mit Würstchen und Salat - toll! Während des Frühstücks überlegten wir, wohin wir fahren wollten. Nach London? Nach Tilbury? Rüber nach Gravesend? Nach Abwägung aller Umstände und dem, was wir bereits im Vorfeld der Reise gesehen hatten, entschieden wir uns, mit dem Taxi zum Fähranleger Tilbury - Gravesend zu fahren, um auf die andere Seite der Themse zu gelangen. Nach dem Frühstück bestellte uns Kapitän von Puttkamer ein Taxi ans innere Terminal-Gate für 09:30 UTC (also Ortszeit) und erklärte uns den Ablauf und den Weg zum Taxi - bevor er sich kurz darauf entschloss, ein Stück mit uns zu fahren, um noch einige Besorgungen im örtlichen großen Supermarkt ASDA zu machen. Wir verließen das Schiff um ca. 10:00 UTC+1 und liefen gemeinsam zum Samskip-Gebäude unseres Agenten. Dieser fuhr uns dann ganz nach Vorschrift über das Terminalgelände bis vor das Innergate, bis wohin das Taxi fahren durfte. Mit leichter Verspätung kam das Taxi an das vereinbarte „Europa-House“ - eine kleine Flachdachhütte direkt vor dem inneren Terminalgate. Nach einem kurzen Abstecher zu besagtem Supermarkt, fuhren wir mit dem Taxi weiter bis zum Fähranleger Tilbury - einmal um den halben Hafen herum - und wurden gegen 10:45 UTC+1 dort abgesetzt. Die ganze Taxifahrt inklusive dem kleinen Abstecher kostete insgesamt nur erstaunliche 12£ (das entspricht ca. 13,62€). Als sich die Fähre nach etwa 30 Minuten noch immer nicht von der anderen Seite der Themse in Bewegung gesetzt hatte, fragten sich auch die Einheimischen, ob die Fähre wohl nicht fahren würde. Schnell machte das Gerücht eines Defekts vom Vortag, sowie ein daraus resultierender Ausfall auf unbestimmte Zeit die Runde. Zwar war wohl ein Ersatzbus eingerichtet worden, dieser fuhr allerdings von einem für uns ungünstigen Ort ab und zudem nur mit einem großen Umweg.
Wir beschlossen daraufhin, uns Tilbury etwas genauer anzuschauen - wenn man schon einmal da ist… Diesmal wählten wir nicht das Taxi, sondern gingen zu Fuß vom Fähranleger in Richtung Innenstadt zurück. Es ging mitten durch das Hafengebiet - vorbei an Firmenhallen, Containerstellplätzen und regem LKW-Verkehr. Traurig war, dass überall Unmengen an Müll herumlagen. Nach ca. 25 Minuten erreichten wir den Bahnhof von Tilbury. Dieser machte einen ganz netten Eindruck, sodass wir beschlossen, den in wenigen Minuten einfahrenden Vorstadtzug nach London abzuwarten. Danach gingen wir ein paar Minuten durch die Innenstadt von Tilbury und waren überrascht zu sehen, dass fast sämtliche Läden geschlossen waren - obwohl es Dienstagmittag war. Insgesamt wirkte Tilbury bis auf den Bahnhof und die umliegenden 50m heruntergekommen und verdreckt - nicht unbedingt eine Stadt, die man noch einmal besuchen müsste (auch wenn wir sicher nicht alles gesehen haben). Man sah einfach deutlich, dass hier seit längerem Landflucht herrschte und auch der Tourismus keinerlei Rolle spielte…
Nach weiteren 15 Minuten Fußweg erreichten wir den Supermarkt, an dem wir auf dem Hinweg unseren Kapitän abgesetzt hatten. Da wir schon einmal dort waren, gingen wir ein bisschen „shoppen“. Anschließend riefen wir uns ein Taxi, welches bereits 2min später vorfuhr und uns zurück ans „Europa-House“ bringen sollte. Trotz vorheriger Nachfrage, ob das Gebäude dem Fahrer ein Begriff sei - mit anschließender Bejahung - war scheinbar nicht ganz klar, wo wir hinwollten. Als wir an besagtem „Europa-House“ ankamen, bog der Fahrer auf einmal in Richtung eines anderen Terminals ab. Nach kurzer Verwirrung konnten wir das „Problem“ aber aufklären und stiegen aus. Nun ging es zu Fuß die paar Meter zum Innergate, wo wir uns mit Hilfe der Passagierliste anmeldeten. Ohne Probleme ließ man uns durch das Gate und wir konnten die letzten 100m zum Schiff gehen. Nach einigen Außenaufnahmen vom Liegeplatz ging es gegen 12:45 wieder an Bord - deutlich früher als ursprünglich gedacht.
Gegen 18:00 trafen wir uns mit Kapitän von Puttkamer wieder auf der Brücke. Das Ablegen verzögerte sich allerdings noch etwas, da das RoRo-Fährschiff „Norstream“ von See kommend für 18:30 die Schleuse „gebucht“ hatte. Während der Wartezeit wurden wir dafür mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Um kurz nach 19:00 war die Schleuse dann wieder frei und wir konnten mit dem Ziel „Rotterdam“ ablegen. Pünktlich zum Einschleusen um 19:20 setzte Regen ein. Wir nutzten die Zeit in der Schleuse, um Stativaufnahmen von der Brücke zu machen. Diesmal mussten wir einen Höhenunterschied von ca. 5m ausgleichen. Um 19:45 öffnete sich das Schleusentor und wir drehten nach backbord in die Themse ein.
Um 20:30 passierten wir wiederum das London Gateway-Containerterminal - wieder voll besetzt, diesmal mit der „UASC Al Khor“, der „Mærsk Hong Kong“ und der „MOL Belief“, die in der Zwischenzeit den Liegeplatz der „NYK Falcon“ eingenommen hatte. Nach dem Passieren dieser letzten „Langsam-Fahrstelle“ hieß es „Hebel auf den Tisch“ und wir „rasten“ mit 19,3kn über Grund bei auflaufendem Wasser (!) in Richtung Themsemündung. Während unserer Fahrt auf der Themse kamen und zwischen all den interessanten Gesprächen über Schifffahrt, Navigation und Fußball das RoRo-Fährschiff „Celestine“ und das Containerschiff „CMA CGM L’Etoile“ entgegen. Kurz vor (bzw. nach) dem Erreichen der Themsemündung befindet sich eine bekannte Sandbank, bei der wir zwischenzeitlich nur wenige Meter Wasser unter dem Kiel hatten. Kurze Zeit später war auch dieses „Nadelöhr“ geschafft und die Themse lag hinter uns. Herr von Puttkamer übergab die Henrike Schepers gegen 22:30 wieder an den 2. Offizier. Wieder verabredeten wir uns für den nächsten Morgen und verließen gemeinsam um 23:00 die Brücke in Richtung Koje.
Der 14.03.2018 beginnt....

Am nächsten Morgen war ich bereits vor dem Klingeln des Weckers (05:00) wach - wahrscheinlich, weil mein Unterbewusstsein von unseren vielen Touren nach Rotterdam wusste, dass man nah an der Südreede von Rotterdam vorbeifährt, wo eine Vielzahl von Schiffen auf einen freien Platz im Hafen wartet. Die letzte Zeit, bevor Stephan an meine Tür klopfte (Tags zuvor war es umgekehrt), saß ich also mit der Nase an meinem Kabinenfenster.
Um Punkt 05:45 waren wir wieder auf der Brücke. Wenige Minuten später standen Stephan und Ich bereits wieder mit den Stativen draußen vor der Brücke um Nachtaufnahmen zu machen. Langsam dämmerte es über Rotterdam und wir näherten uns der Hafeneinfahrt bei einem schönen Farbspiel am Himmel. Kurz vor der Einfahrt in den Nieuwe Waterweg überholten wir den großen Massengutfrachter „Regina Oldendorff“ - ein tolles Erlebnis.
Während wir um 06:45 den Fähranleger von Hoek van Holland passierten, kam uns der Tanker „Sea Helios“ im Nieuwe Waterweg entgegen. Kurze Zeit später folgten der General Cargo „Capella“ und der kleine Tanker „Key North“. Dies sollten leider die einzigen Entgegenkommer bleiben… Kurz nach dem Erreichen der Fährstelle von Rozenburg durften wir einen traumhaften Sonnenaufgang erleben.
Beim anschließenden Frühstück erklärte uns Kapitän von Puttkamer, dass er der einzige Kapitän sei, der sein Schiff direkt im Prinses Beatrixhaven drehen würde. Alle anderen Kapitäne, die Lotsenpflicht hätten, würden meist schon vorher im Bereich zwischen dem Prins Willem-Alexanderhaven und dem Prinses Beatrixhaven drehen und dann rückwärts an den Liegeplatz fahren. Weder wir noch die Besatzung der Henrike Schepers hatten es eilig, wieder getrennte Wege zu gehen. Nach dem Frühstück gingen wir wieder auf die Brücke und beobachteten das Anlegen der Samskip Commander, sowie das gleichzeitige Ablegen der „JRS Capella“ am Terminal gegenüber.
Gegen 07:45 drehten wir dann vom Nieuwe Waterweg nach Steuerbord in Richtung Eemhaven ein. 5 Minuten später erreichten wir den Prinses Beatrixhaven, an dessen hinterstem Liegeplatz wir anlegen sollten - genau dort, von wo wir kaum 37h zuvor in Richtung Tilbury abgelegt hatten. Nach dem gelungenen Drehmanöver unseres 140m-Schiffes in dem ca. 240m breiten Hafenbecken wurde unser Schiff um 08:15 festgezurrt.
Unsere Maskottchen Knut und Bubu hatten auch riesen Spaß....
Obwohl uns angeboten wurde, auch noch an Bord Mittag zu essen begaben wir uns gegen 10:00 langsam in Richtung unserer Kabinen, um unsere Sachen zu packen. Wir wollten das schöne Wetter nutzen, und einen weiteren Tag im Rotterdamer Hafen beim Shipspotting zu verbringen. Um 10:30 war es dann langsam an der Zeit, sich zu verabschieden. Es fiel uns wirklich nicht leicht, das Schiff mit seinem offenherzigen und netten Kapitän und der tollen Crew wieder zu verlassen. Mit Wehmut - aber auch mit einer ganzen Masse an tollen Erlebnissen, Erfahrungen und Gesprächen - verließen wir gegen 10:45 unter der Mithilfe eines Matrosen beim Tragen des Gepäcks die Henrike Schepers.
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Stephan Kniest und Malte Kopfer
© 2018 Stephan Kniest
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